Blick über den Tellerrand
Gemeinwohl Bilanz
Start in ein neues Wirtschaftszeitalter – neue Bilanz für alle?
Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein Bewertungsverfahren für Firmen und Institutionen, mit dem geprüft wird, inwieweit sie dem Gemeinwohl dienen.[1] Bewertet werden ökologische, soziale und andere Aspekte.[2][3] Das Verfahren ist Bestandteil der Gemeinwohl-Ökonomie und wurde von Christian Felber entwickelt. In konventionellen Handelsbilanzen werden hingegen ausschließlich ökonomische Wertkategorien berücksichtigt.
Gemeinwohl-Bilanzen sollen für jedermann gut verständlich sein;[4] Unternehmen können ihre Gemeinwohl-Leistung auf einer einzigen Seite transparent machen.[5][6] Dabei können die Unternehmen entscheiden, ob sie die Bilanz in Eigenregie erstellen, sich in einer Gruppe gegenseitig bilanzieren oder einen unabhängigen Prüfer bestellen.[7][8] Dies unterscheidet die Gemeinwohl-Bilanz von herkömmlichen Nachhaltigkeitsberichten, die von den Unternehmen selbst erstellt werden[2] – sie kann auch vergleichsweise preisgünstig erstellt werden, für kleine Unternehmen werden ca. 1000 Euro veranschlagt.[9]
Bislang bilanzieren im deutschsprachigen Raum ca. 250 Unternehmen nach Gemeinwohl-Richtlinien,[2][10][11][12][13] in Europa sind es 350–400 Unternehmen (Stand: Anfang 2016).[14][15][16] Insgesamt gibt es 590 deutsche, 631 österreichische, 67 Schweizer und 70 Südtiroler Unternehmen, die sich als Unterstützer der Gemeinwohl-Bilanz registriert haben.[17][18] Alle in einer Peer-Gruppe und extern auditierten Gemeinwohl-Bilanzen sind öffentlich zugänglich.[19]
Ab 2017 sind alle börsennotierten Unternehmen[Anm. 1] mit mehr als 500 Mitarbeitern durch eine EU-Richtlinie verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.[7][20] Dabei hat die EU mehrere Bilanzierungs-Standards explizit erwähnt, darunter auch die Gemeinwohl-Bilanz.[21] Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss, der die EU-Organe berät, hat in einer Stellungnahme empfohlen, dass Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen sollten: Ziel sei „der Wandel hin zu einer ethischen Marktwirtschaft“.[22]
In den USA und Italien ist der Geschäftstypus Gemeinwohlorientierte GmbH bereits gesetzlich verankert.[7]
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